Wir saßen im Auto. Noch auf dem Krankenhausparkplatz. Und plötzlich hatte ich keine Kraft mehr. Ich wollte immer stark für sie sein. Aber nach so einem wochenlangen Kampf geht es irgendwann nicht mehr. An diesem Punkt war ich angelangt. Ich brach zusammen, brach in Tränen aus und konnte einfach nicht mehr. Wir fuhren nach Hause. Über uns dieses Damoklesschwert.
Als wir am nächsten Tag wieder im Krankenhaus kamen, wurden wir bereits mit einem breiten und mehr als stolzen Lächeln im Gesicht empfangen. Über Nacht war offensichtlich der Knoten geplatzt. Wir hatten eine explodierte Windel, welche sogar vom Personal fotografierte wurde, damit alle Ärzte es bewundern konnten. Sie hatte es geschafft. Sie hat das Ultimatum gebrochen und musste nicht erneut operiert werden. Keiner wusste, woran es lag, was letztlich der ausschlaggebende Punkt war, aber mir war es egal. Sie hatte gekämpft und es allen gezeigt. Von diesem Moment an wurde ihre Nahrung täglich mehr als verdoppelt, sodass wir innerhalb von einer Woche von 10 ml auf 100 ml pro Mahlzeit kamen. Jetzt, wo es so gut lief und sie im Grunde ohne Limit trinken durfte, war es Zeit mal das Stillen auszuprobieren. Ich hatte große Angst zu versagen. Ich habe meinen Sohn zwar gestillt, aber es war nie die leichteste Stillbeziehung und funktionierte ausschließlich mit Stillhütchen. Wie sollte das also nun bei ihr werden? Sie, die die Flasche vom Krankenhaus gewohnt war. Aber ich probierte es trotzdem. Und was soll ich euch sagen? Meine Sorgen waren völlig unberechtigt. Es funktionierte. Absolut problemlos. Sie stillte, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ich war so erleichtert. Einer Entlassung stand nichts mehr im Wege.
Exakt einen Monat nach ihrer Geburt war der Tag endlich gekommen. Wir durften sie mit nach Hause nehmen.
Und hier sitzen wir nun heute. Unsere Tochter ist bereits acht Monate alt, ist lebensfroh und ausgeglichen, isst für ihr Leben gerne und vorallem ist sie gesund. Wir hatten und haben zwar weiterhin regelmäßige Kontrollen im Krankenhaus und auch Termine beim Sozialpädriatischen Dienst (da sie als Frühchen gilt und ihre Entwicklung besonders beobachtet werden soll), aber sie hat bisher keine größeren Komplikationen. Ich bin mir sicher, dass sie - egal was da noch kommen wird - das alles gut meistern wird. Sie ist und bleibt eine Kämpferin.
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