Ich machte direkt am nächsten Tag einen Termin bei meiner Frauenärztin, denn eigentlich war nun auch meine Elternzeit vorbei und ich sollte bereits in der nächsten Woche wieder anfangen zu arbeiten. Mit meinem Gefühlszustand nach dieser Diagnose konnte ich mir das allerdings zu diesem Zeitpunkt beim besten Willen nicht vorstellen.
Ich brauchte ein, zwei Wochen um diese ganzen neuen Gefühle zu verarbeiten und das Ganze rational betrachten zu können. Meine Frauenärztin erteilte mir ein sofortiges Beschäftigungsverbot aufgrund seelischer Belastungen. Sie war zudem der Meinung, die vielen kommenden Termine wären nicht mit einem Job vereinbar. Und sie sollte recht behalten. Ich wusste bis dahin noch nicht, was da auf mich und meinen Mann zukommen würde.
Es folgten Kontrolltermine im Rhythmus von zwei Wochen, immer im Wechsel beim Feindiagnostiker und im Krankenhaus, in welchem ich vermutlich auch entbinden und meine Tochter operiert werden würde. Zusätzlich jeweils zwischen diesen Terminen alle zwei Wochen ein Termin bei meiner Frauenärztin zur allgemeinen Kontrolle. Das heißt, im Grunde war ich fast jede Woche beim Ultraschall.
Ich hatte mich zwischenzeitlich mit der Diagnose abgefunden. Ändern konnten wir es ja sowieso nicht mehr, also machten wir das beste daraus und steckten alle Kraft in unsere kleine Tochter. Wir hatten Glück, dass sich die Gastroschisis nicht verschlimmerte und so hangelten wir uns von Woche zu Woche, immer mit der Hoffnung, sie könne noch so lange wie möglich in meinem Bauch bleiben.
Mittlerweile waren wir in der 36. SSW angekommen und somit so viel weiter, als ich jemals gerechnet hätte. Wir wussten, dass nun solangsam die Entbindung näher rücken würde. Ich versuchte mich noch immer an den Gedanken eines Kaiserschnittes zu gewöhnen. Von meinem Traum einer ambulanten Geburt hatte ich mich schon lange verabschiedet. Eine natürliche Geburt wäre rein theoretisch zwar möglich, wird aber aufgrund der sofortigen Operation von meinem nicht Arzt empfohlen.
Beim nächsten Termin im Krankenhaus hieß es vom Chefgynäkologen er müsse noch Rücksprache mit der Kinderchirurgin halten, ob und wann der Kaiserschnitt nun geplant werden müsste. Ostern stand an, ich war guter Dinge, dass ich erst danach ins Krankenhaus müsste. Bereits einen Tag nach unserem Termin bekam ich einen Anruf von der Kinderchirurgin, die mir berichtete, dass sie eine Verdickung einer Darmschlinge sehen würden und kein Risiko eingehen wollen. Ich sollte mich bitte noch am selben Tag ins Krankenhaus einweisen, der Kaiserschnitt würde für den morgigen Vormittag angesetzt.
BAM! Und wieder fiel ich in ein tiefes Loch. Ich hatte zwar lange genug Zeit, mich mit dem Kaiserschnitt und der darauffolgenden Zeit auseinanderzusetzen und mich darauf vorzubereiten. Aber das ging mir dann doch zu schnell. Ich dachte, ich hätte noch ein paar Tage. Könnte Ostern zu Hause mit meinem Mann und meinem Sohn verbringen und nun sollte meine Tochter bereits morgen geholt und operiert werden? Dafür war ich noch nicht bereit, aber ich vertraute den Ärzten. Also rief ich meinen Mann an, dass er nach Hause kommt. Wir organisierten noch eine Betreuung unseres Sohnes durch meine Schwiegereltern und schon waren wir auf dem Weg ins Krankenhaus. Dort angekommen, konnte ich nach einigem Hin und Her endlich mein Zimmer beziehen, welches ich mir mit einer Frau teilte, welche vorzeitige Wehen hatte. An diesem Nachmittag habe ich noch mit vielen Ärzten gesprochen, über den Kaiserschnitt, die Spinalanästhesie, die Operation meiner Tochter und ihrer Verlegung auf die Neo-Intensivstation. Am Abend fiel ich völlig erschöpft ins Bett und konnte doch nicht schlafen. Zu groß war die Aufregung vor dem kommenden Tag.
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