Donnerstag, 16. Dezember 2021

Geburt

Ich hatte die Nacht irgendwie überstanden. Mein Mann brachte den Großen in die Kita und machte sich danach sofort auf den Weg zu mir. Ich wurde derweil schon einmal für den Kaiserschnitt vorbereitet und bekam wunderschöne Thrombosestrümpfe an. Die Uhrzeit für die sectio wurde ständig verschoben, mal nach hinten, dann wieder nach vorne. Meine Zimmernachbarin machte sich gerade auf den Weg zum Frühstück, als ich ein letztes Mal ins Bad gehen wollte. Sie kam nach wenigen Minuten zurück, setzte sich auf ihr Bett und schaute mich erschrocken an. Ihre Fruchtblase sei eben geplatzt. Ich war selbst aber gerade mit meinen Gedanken völlig woanders und plötzlich stand auch schon eine Schwester im Zimmer und sagte zu mir, es ginge jetzt los. Meine Zimmernachbarin sollte ihren Sohn noch am selben Tag bekommen.

Ich wurde samt Bett in den Kreißsaal geschoben, wo mich bereits eine Hebamme erwartete und noch einmal ein CTG schrieb. Sie bot mir auch einen - wie sie ihn nannte - Leck mich Schnaps an, den ich dankend annahm. Ich war so wahnsinnig nervös und hatte große Angst vor dem Eingriff. Ich fragte die Hebamme, ob mein Mann mit in den OP dürfe, doch das müsste der Chirurg entscheiden. Ich bekam meinen Schnaps - der scheußlich schmeckte - und schon kam auch die Chirurgin, um mich abzuholen. Ich fragte erneut, ob mein Mann mich begleiten dürfe. Und dann kam die wohl schrecklichste Antwort, die ich mir hätte vorstellen können. Nein. Das kann er nicht. Es ist kein gewöhnlicher Routine Eingriff, sie können es nicht riskieren, dass etwas schiefgeht und den Ablauf stört. Ich brach völlig zusammen, fing an zu weinen. Und wurde in den OP geschoben. Dort wurde mir noch die Spinalanästhesie verabreicht und es ging los. Ich kam nicht zur Ruhe, obwohl ich ein wirklich tolles Team um mich hatte, was sich sehr gut um mich gekümmert hat. Da lag ich nun wie ein Häufchen Elend während der erste Schnitt gemacht wurde. Ich werde und möchte gar nicht zu sehr ins Detail gehen - jeder empfindet so eine OP sicherlich anders - für mich war es eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben bisher machen musste. Es dauerte nicht lange und ich hörte den ersten Schrei meiner Tochter. Ich durfte sie nicht sehen. Sie wurde sofort bis zu den Achseln in einen Plastiksack gesteckt und kam auf die Neo-Intensivstation zu den Kinderärzten und -chirurgen, um für ihre OP vorbereitet zu werden. Meine Wunde wurde genäht, danach wurde ich zurück in den Kreißsaal zur Hebamme und meinem Mann gebracht. Wir blieben noch eine Weile dort zur Beobachtung. Einer der Kinderärzte holte meinen Mann ab, damit er kurz zu unserer Tochter konnte, bevor sie operiert wurde. Währenddessen stand die Hebame neben mir, lächelte mich an und sagte zu mir "sie sieht wunderschön aus".

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