Nachdem meine Vitalwerte in Ordnung waren und ich den Kaiserschnitt so weit gut überstanden hatte, wurde ich zurück in mein Zimmer gebracht. Stunde für Stunde verging, es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit. Wir warteten darauf, dass die OP beendet wurde und wir ein Feedback der Ärzte bekommen würden. Ständig fragten wir uns gegenseitig "Wann warst du bei ihr? Wann wurde sie in den OP gebracht? Wie lange sollte das nochmal dauern?" Die Minuten krochen nur so dahin. Wir konnten nichts tun, außer warte .
Und dann endlich das lang ersehnte Klopfen an der Tür. Die Chefärztin der Kinderchirurgie und ihre Kollegin traten ein. Und sie lächelten. Mir fielen tausend Steine vom Herzen. Das konnte nur etwas Gutes bedeuten. Sie berichteten uns von der OP, die sehr gut verlaufen war, keine der Darmschlingen musste entfernt werden, alles konnte in den Bauchraum zurückgelegt werden und es wurde keinerlei Fremdmaterial zum Verschließen der Bauchdecke benötigt. Alles in allem eine Traum OP ohne jegliche Komplikationen. Unserer Tochter ging es den Umständen entsprechend gut und sie musste sich jetzt erst einmal von der OP erholen.
Am späten Nachmittag durften wir zu ihr und da ich mich noch keinen einzigen Millimeter bewegen konnte, wurde ich samt Bett in die Neonatologie an den Inkubator meiner Tochter geschoben. Da lag sie nun. So perfekt. Und doch so zerbrechlich, so hilflos. An einem Beatmungsschlauch, mit diversen Katheterzugängen und Überwachungskabeln. Ich war so froh und erleichtert, sie zu sehen und dennoch tat es mir im Herzen weh, sie so dort liegen zu sehen. Daran, sie herauszunehmen, war noch lange nicht zu denken. Sie hatte noch immer starke Schmerzen und wurde mit Morphin behandelt. Zurück auf meinem Zimmer schaute ich mir immer und immer wieder die Fotos an, die mein Mann von ihr gemacht hatte.
Ich besuchte sie nun jeden Tag, saß einige Zeit neben ihrem Inkubator und sprach mit ihr oder streichelte sie ein wenig. Wenn ich nicht bei ihr war, pumpte ich ab. Denn das oberste Ziel (meines und das der Ärzte) war es, sie mit meiner Muttermilch zu ernähren und letztlich auch, sie zu stillen.
Vier Tage nach ihrer OP - es war Ostersonntag - konnte sie bereits ohne ihren Beatmungsschlauch alleine atmen und auch das Morphin wurde eingestellt. Sie bekam jetzt nur noch Ibuprofen. Das war auch der Tag, an dem ich sie das erste mal auf den Arm nehmen durfte. Sie aus dem Inkubator zu nehmen, samt aller Kabel und Schläuche war unglaublich aufwändig. Aber es fühlte sich so gut an. Ich genoss jede Sekunde. Wir sprachen täglich mit den Kinderärzten und -chirurgen über ihren Zustand und die Fortschritte, die sie machte. Sie bekam sogar schon 1 ml Milch pro Mahlzeit. Doch die Kinderärzte wollten mehr. Sie waren der Meinung, dass sie unbedingt richtige Nahrung wollte, dass sie die Infusionen einfach nicht glücklich machten. Doch die Chirurgen waren vorsichtiger, wollten nichts überstürzen. Sie ließen sich zu 2 ml Milch pro Mahlzeit überreden und es tat ihr so gut. Man konnte richtig sehen, wie befriedigend es für sie war.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen