Donnerstag, 16. Dezember 2021

Komplikationen


Mittlerweile war ich wieder zu Hause, fuhr jedoch jeden Tag etwas mehr als eine Stunde mit dem Bus zu ihr in die Klinik. Sie machte immer größere Fortschritte, der Kostaufbau lief auch nicht schlecht, immer mehr Medikamente konnten abgesetzt werden. Und dann bekamen wir etwa eine Woche später einen Anruf aus dem Krankenhaus. Unsere Tochter hätte eine Sepsis (Blutvergiftung) erlitten. Sie würde jedoch schon mit einem Antibiotikum behandelt, welches auch gut anschlage. Wir sollten uns keine allzugroßen Sorgen machen, sie wäre bereits auf dem Weg der Besserung. Man bat uns jedoch, am nächsten Tag unbedingt vorbeizukommen, um alles genauer besprechen zu können. Keine Sorgen machen... meine Gedanken kreisten schon wieder nur um sie. Wie geht es ihr? Was bedeutet das, eine Sepsis? Welche Folgen hat das?

Wir fuhren am nächsten Tag sofort ins Krankenhaus, wo wir alles in Ruhe besprechen konnten. Sie war tatsächlich schon wieder auf dem Weg der Besserung. Ihre Vitalwerte schienen wieder halbwegs stabil. Nur der Kostaufbau wurde für 24 Stunden pausiert und wir mussten quasi wieder bei null beginnen. Und das obwohl wir doch schon bei 6 ml pro Mahlzeit waren (Ziel war übrigens 100 ml pro Mahlzeit, um entlassen werden zu können). Wieder einmal hörte ich mir an, was uns die Ärzte erzählten, versuchte es zu verstehen und zu verarbeiten. Vieles rauschte wie in Trance an mir vorbei und ich war froh, dass mein Mann da etwas besser zuhörte und es aufgrund seiner Ausbildung auch besser verstand. Nun hieß es Daumen drücken, dass sie sich von der Infektion schnell erholt und der Kostaufbau wieder weitergehen kann.

Es stellte sich im Nachhinein übrigens heraus, dass sie durch den zentralen Venenkatheter eine Infektion einem nicht zu unterschätzendem Krankenhauskeim hatte (ich hatte ihn später noch gegoogelt, keine gute Idee). Das Krankenhauspersonal durfte sich nur mit Handschuhen und Kittel um sie kümmern. Sogar eine Isolation stand im Raum, wurde aber wieder verworfen.

Sie erholte sich zum Glück schnell von der Infektion. Aber das sollte es noch nicht gewesen sein. Seit der Sepsis fiel die Anzahl ihrer weißen Blutkörperchen immer wieder rapide ab. Sie bekam viele Transfusionen und jedes Mal wieder fiel der Wert ins Bodenlose. Es konnte sich niemand erklären. Es wurden mehrere Antikörpertests durchgeführt, welche alle ergebnislos waren. Spezialisten im Uniklinikum Münster wurden zu Rate gezogen. Niemand wusste, was mit den Thrombozyten passierte. Und plötzlich war der Wert wieder stabil. Wir haben bis heute keine Erklärung.

Bei den verschiedenen Untersuchungen zum Thrombozytenabfall stellten die Kinderärzte ein Blutgerinnsel fest. Ich verstand einfach nicht, warum sie bei der Verteilung der Krankheiten ständig so laut "hier" rief. Letztlich einigten sich die Ärzte nach mehrmaligen Ultraschalls (auch durch die Radiologin), dass es wohl ungefährlich sei und sich in der Nabelvene befinde, welche sowieso nach der Geburt verödet. Alles klar. Damit können wir leben.

Doch das schlimmste sollte noch kommen. Die Kinderchirurgen waren nicht zufrieden mit ihr. Der Kostaufbau lief nicht so wie erwartet. Sie trank zwar gut und nahm die Milch liebend gerne an. Aber es haperte am anderen Ende. Es kam den Ärzten, bei dem was sie trank, nicht genug "großes Geschäft" raus. Sie sorgten sich, dass eventuell doch irgendwo in den Darmschlingen etwas nicht stimmte. Es wurde geschallt, geröntgt, sie bekam Einläufe und Antibiotika, welche die Darmfunktionen anregen sollten. Es musste etwas passieren. Ihre Zugänge hielten die Infusionen nicht mehr aus. Ihre Venen waren langsam alle kaputt und erneut einen Zentralen Venenkatheter zu legen, wollte man aufgrund der Infektionsgefahr vermeiden. Es stand eine erneute Operation im Raum. Man gab ihr noch das Wochenende Zeit. Wenn sich dann nichts getan hätte, müsste man sie erneut aufmachen. Niemand wollte das, alle waren so zufrieden mit ihrer Narbe. Aber die Ärzte wussten sich nicht mehr anders zu helfen.

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